Freies WLAN – ist es besser geworden?

9 Jul

Die Störerhaftung ist abgeschafft, gesetzliche Hürden sind damit überwunden und schnelle Internet-Anschlüsse sind inzwischen an vielen Orten vorhanden. Städte und Gemeinden geben teilweise viel Geld aus, um freies WLAN anzubieten… Wie ist es denn nun tatsächlich um freies WLAN in Deutschland bestellt?

Ich beobachte die Situation nun schon geraume Zeit und habe die Hoffnung noch immer nicht aufgegeben, dass (zumindest in den Städten) flächendeckendes WLAN vielleicht doch noch einmal in die Tat umgesetzt werden kann. Allerdings sind wir davon noch meilenweit entfernt, wie die Praxis zeigt.

Meine Erfahrungen mit kommerziellen Anbietern

Da wären z.B. die kommerziellen Anbieter wie Telekom und Vodafone. Vielerorts findet man Telekom Hotspots oder Fonespots. Freies WLAN? Fehlanzeige…. Diese Hotspots sind leider kostenpflichtig und stehen nur Nutzern mit entsprechenden Tarifen kostenfrei zur Verfügung. Ähnlich verhält es sich bei Vodafone. Sollten diese Hotspots nicht allen Nutzern für mind. 30 Minuten p. Kalendertag kostenfrei zur Verfügung stehen? So ist es zumindest erstmal auf den Webseiten von Vodafone zu lesen. Wer genauer liest, stellt dann fest, dass es diese Möglichkeit nur bei Hotspots an öffentlichen Plätzen gibt. Gerade in den Feriengebieten scheint aber auch das nicht unbedingt möglich zu sein.

Dann gibt es noch die kleineren Hotspot-Anbieter wie Hotsplots, LAN1, german hotspot… Vielfach sind auch hier sog. Voucher erforderlich, um die Zugänge (oft gegen Entgelt) nutzen zu können. Allerdings gibt es hier tatsächlich auch Zugänge, über die ein kostenfreier Zugang ins Internet möglich ist. Leider verhindern die lästigen Vorschaltseiten eine direkte Verbindung, ohne Bestätigung der AGB ist kein Internet-Zugang möglich. Einfach mal einen SSH-Zugang nutzen, eine WhatApp verschicken oder Bilder über Instagram abrufen geht also nicht.

Ein Beispiel

Gerade hier im Norden scheint der Anbieter LAN1 weit verbreitet zu sein. In den Feriengebieten gibt es über diesen Anbieter tatsächlich freie Zugänge, die oft in Cafés und Ferienwohnungen angeboten werden. Schwierigkeiten gibt es aber auch hier. Verbindungen laufen häufig ins Leere, DNS-Auflösungen sind nicht möglich, die WLAN-Verbindung wird häufig ohne ersichtlichen Grund getrennt und die Bandbreite im Download ist auf ca. 4MBit beschränkt. Die DSL-Anschlüsse sollten nicht das Problem sein, da sich im Upload durchaus akzeptable Bandbreiten erreichen lassen. Das ist so einfach nicht mehr zeitgemäß.

Weitere Erfahrungen

Ähnliche Erfahrungen habe ich z.B. bei Hotsplots sowie einigen anderen kostenfreien Hotspots in verschiedenen Städten gemacht, wobei hier nicht unbedingt die Bandbreite das Problem ist, sondern die andauernden Verbindungsabbrüche. Man muss dabei bedenken, dass die Betreiber dieser Hotspots dafür zahlen, um Feriengästen und Besuchern freies WLAN zur Verfügung zu stellen. Von daher dürften solche Probleme eigentlich nicht auftreten. Natürlich bieten diese Anbieter auch Support an, allerdings konnten nach meinen Erfahrungen Probleme eigentlich nie gelöst werden und die Fehler wurden immer wieder auf das Endgerät geschoben. Man scheint also nicht wirklich daran interessiert zu sein, die Probleme der Nutzer zu lösen.

Freifunk kann funktionieren

Ein ganz anderes Bild zeigte sich an der Ostsee im Bereich Timmendorf. Dort gibt es sehr viele und auch gut funktionierende WLAN-Zugänge über Freifunk. Hier hat Freifunk Ostholstein scheinbar viele Unterstützer gefunden und hervorragende Arbeit geleistet. Es soll dabei aber keinesfalls verschwiegen werden, dass es auch im Freifunk Probleme gibt. Bandbreiten oberhalb 16Mbit sind nur selten erreichbar und Zugänge funktionieren manchmal nur eingeschränkt. Dabei sollte man allerdings bedenken, dass es sich hier im rein private Netzzugänge handelt, für die keine monatlichen Gebühren anfallen. Hier zeigt sich aber auch, dass Freifunk funktionieren kann, wenn die Unterstützung der Gemeinden, Anwohner und Nutzer da ist und genug Leute zur Verfügung stehen, um am Netz mitzuarbeiten.

Fazit

Insgesamt lässt sich also sagen, dass wir immer noch ein Entwicklungsland sind, was freie Internetzugänge über WLAN angeht. Allerdings lässt sich auch feststellen, dass gut betreute Freifunk-Zugänge sehr häufig besser funktionieren als die der kommerzielle Anbieter. Von daher sind wir im Freifunk auf Unterstützung angewiesen, um den Ausbau des Netzes zu verbessern. Außerdem benötigen wir die Hilfe von technikinteressierten Nutzern, die uns beim Ausbau des Netzes unterstützen und ggf. auch einmal in der Lage sind, einen minimalen Support zu leisten und nicht funktionierende Zugänge wieder zum Laufen zu bringen. Nur so ist der Aufbau eines funktionierenden Freifunk-Netzes (auch in Obernkirchen) möglich.

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